Togos erster Auftritt bei einer FußballweltmeisterschaftBRD, 13.06.2006 Auch der Fußball leidet unter dem Kleptokratenclan Gnassingbé
PRO ASYL: Hinter dem Prämienstreit verbergen sich die Probleme Togos Wenn heute zum ersten Mal ein togoisches Team bei einer Fußballweltmeisterschaft auftritt, dann werden fast 40.000 Flüchtlinge aus Togo das Spiel in den Nachbarstaaten Ghana und Benin verfolgen müssen. Auch ein Jahr nach den gewalttätig unterdrückten Protesten gegen die gefälschte Wahl von Faure Gnassingbé, Sohn des zuvor verstorbenen dienstältesten afrikanischen Diktators Eyadéma, trauen sich die meisten Flüchtlinge nicht in ihr Heimatland zurück. Macht und Pfründe sind im Clan weitergegeben worden. Auch unter dem Sohn bleiben die Verantwortlichen für Terror und mehr als 400 Tote nach der Wahl straffrei.
Der WM-Auftritt der togoischen Nationalmannschaft ist eine weitere Chance für den Kleptokratenclan, der das Land seit mehr als 30 Jahren ausplündert. Wo es etwas abzukassieren gibt – Mitglieder oder Günstlinge des Regimes sitzen an der Quelle. Der Chef des togoischen Fußballverbandes FTF ist ein Bruder des togoischen Staatspräsidenten.
Die vom togoischen Fußballverband und regierungsnahen Medien verbreitete Version der aktuellen Prämienaffäre – gierige Spieler könnten den Hals nicht vollbekommen – lenkt davon ab, dass der größere Teil des von der FIFA überwiesenen Antrittsgeldes vermutlich längst in ganz anderen Taschen verschwunden ist. Für die Spielerprämien einen Teil der Beute ausschütten zu müssen, fällt offenbar schwer.
Der Trainer Togos, Otto Pfister, hat seinen jetzt wieder zurückgenommenen Rücktritt kommentiert: „Als mir klar wurde, wie weit das geht, dass sogar die Familien der Spieler bedroht sind, war der Punkt erreicht, wo ich gesagt habe: Ich gebe auf.“ Wenn die Familien der Spieler Togos bedroht sind, dann sicher nicht durch spontane Reaktionen empörter Fans auf die Prämienforderungen, sondern durch einen vom togoischen Regime manipulierten Mob. Das ist die Methode Eyadéma/Gnassingbé, eines Regimes, das immer wieder auf die Unterstützung Frankreichs zählen kann. Deutschland scheut die offene Kritik am EU-Partner Frankreich.
Die in Deutschland lebenden togoischen Flüchtlinge, denen das Asylrecht fast durchweg vorenthalten wird, wissen: Wer sich gegen das Regime stellt, lebt gefährlich in Togo. Nur herausragende Oppositionelle seien bedroht, so die Version deutscher Asylbehörden und Gerichte. Die togoischen Flüchtlinge in Ghana und Benin sind der glücklicherweise noch lebende Beweis für das Gegenteil. PRO ASYL fordert einen Stopp der Abschiebungen aus Deutschland nach Togo. Bislang hat nur die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns entsprechende Konsequenz gezeigt.
Grund sich über angeblich nur „afrikanische Zustände“ zu mokieren, hat freilich niemand, schon gar nicht die Europäer. Das italienische Team verdankt seine Titelchance der strafrechtlichen Unschuldsvermutung im Wettskandal. Gegen die Finanzierung europäischer Großclubs durch Oligarchenvermögen, windige Unternehmer und Medienzaren sind jedenfalls die Geldsummen, um die es in Sachen Togo geht, geradezu Peanuts. Bernd Mesovic, pro Asyl
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