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Rubrik: Presse  

Isolierstation für Protestierende im Köpenicker Knast überfüllt

Hungerstreik wird Gefängnisalltag

Berlin-Köpenick, 09.05.2000

Hungerstreiks, die es in den vergangenen Jahren vereinzelt und relativ selten in den Berliner Abschiebegefängnissen gab, sind jetzt eine ständige Begleiterscheinung des Gefängnisalltags. Während der wochenlangen Essensverweigerung mehrerer Ukrainerinnen in der Abschiebehaftanstalt Kruppstraße (Berlin-Moabit) war die Isolierstation in der Abschiebehaftanstalt Grünauer Straße (Berlin-Köpenick) für Hungerstreikende, die im zweiten Stock des Hauses 2 in diesem Männergefängnis eingerichtet ist, ständig überfüllt. Gegenwärtig sind dort 14 Häftlinge aus Russland, zwei Palästinenser, ein Algerier und ein Afrikaner untergebracht.

Sie erklären, dass sie entschlossen sind, den Hungerstreik, wenn es sein muss, bis zum Tod weiterzuführen. Sie fordern ihre sofortige Freilassung und sehen ihre manchmal monatelange Inhaftierung nur wegen fehlender Aufenthaltsgenehmigung als schreiendes Unrecht an. Ein Afrikaner und ein Russe sind seit mehr als 11 Monaten hinter Gittern. Mehrere auf der Isolierstation nehmen seit zwei oder drei Wochen, ein Palästinenser aus dem Libanon seit dem 11. März keine feste Nahrung zu sich. Fast alle Protestierenden haben zwischen zehn und zwanzig Kilo abgenommen. Der Polizeiärztliche Dienst beschränkt sich darauf, täglich ihr Gewicht festzustellen.

Ein hungerstreikender Russe versuchte am Freitag einen Suizid, indem er sich die Pulsadern aufschnitt.

In einem sehr kritischen Zustand befindet sich ein Algerier, seit 25 Tagen im Hungerstreik. Vor seiner Flucht aus seinem Land war er durch einen Granatsplitter am Bein verletzt worden. Der Splitter befand sich immer noch in seinem Bein, das angeschwollen war und blau anlief. Vom Polizeiärztlichen Dienst wurde ihm erklärt, die Gewahrsamsbehörde (= der Polizeipräsident des Landes Berlin) verfüge nicht über die finanziellen Mittel, um ihn durch einen Eingriff von dem Splitter zu befreien.

Der anwaltlich nicht vertretene Algerier versuchte darauf am Freitag in seiner Verzweiflung, den Splitter selbst herauszuoperieren. Schwer verletzt musste er in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Es gibt noch weitere Verzweiflungsakte im Abschiebegefängnis in der Grünauer Straße. Mitte April steckte ein Häftling im Haus 2 die Decke in seiner Zelle in Brand. Er wollte damit auf die Willkür seiner Inhaftierung aufmerksam machen. Das Feuer konnte von den anderen Zelleninsassen und den herbeigerufenen Beamten gelöscht werden. Allen Bewohnern dieser Zelle wurde drei Tage lang der tägliche Hofgang verweigert.

Nachfragen bitte an:

FLÜCHTLINGSRAT BERLIN,
Fennstr. 31,
D-12439 Berlin,
Tel. 030-6317873,
FAX 030-6361198,
E-mail: fluechtlingsrat@snafu.de

Flüchtlingsrat Berlin

02.01.2002 www.abschiebehaft.de
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