Gedenkstein für AbschiebungsopferAntirassisten erinnern an Rachid Sbaai, der vor drei Jahren im Abschiebknast Büren ums Leben kamBüren, 02.09.2002 Zwanzig Flüchtlingsunterstützer und Mitglieder des Vereins »Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren« errichteten am Freitag abend vor der Justizvollzugsanstalt im nordrhein-westfälischen Büren eine Gedenkskulptur für Rachid Sbaai, einen Abschiebehäftling, der vor genau drei Jahren im größten deutschen Abschiebeknast ums Leben kam. »Wir hoffen, daß wir mit dieser Tat zum Nachdenken über das Abschiebesystem anregen und daß die Beamten und das Personal hier im Knast sich nur noch ihrem Gewissen verpflichtet fühlen – unabhängig davon, welche unmenschlichen Befehle sie auch erhalten«, sagte der Vereinsvorsitzende Frank Gockel in einem Redebeitrag.
Rachid Sbaai kam im März 1999 in den Bürener Abschiebeknast. Am 30. August wurde der Marokkaner, der zu diesem Zeitpunkt in einer Arrestzelle einsaß, nach einem von ihm selbst gelegten Brand tot in seiner Zelle aufgefunden. Für Anstaltsleitung und Staatsanwaltschaft ein klarer Fall von Selbstmord. Sie hat den Fall längst zu den Akten gelegt. Diejenigen, die sich für die Rechte von Flüchtlingen einsetzen, meinen dagegen: »Rachid könnte noch am Leben sein«. Verantwortlich für seinen Tod seien fehlende Sicherheitsvorkehrungen und mangelnde Aufsicht. So habe Rachid nach Ausbruch des Feuers den Alarmknopf seiner Zelle gedrückt, doch erst 15 Minuten später habe ein JVA-Beamter reagiert. Ungeklärt sei auch, wie der Brand entstanden sei, denn der Flüchtling habe gar kein Feuerzeug besessen. »Alle Ermittlungen wurden eingestellt, niemand wurde zur Rechenschaft gezogen«, so Gockel gegenüber jW. »Für uns trägt die Anstaltsleitung eine Mitschuld am Tod von Rachid«.
Seitdem erinnert der Verein jedes Jahr an den Tod des damals 19jährigen. Bereits am 21. August fand in der Warsteiner Innenstadt eine Gedenkveranstaltung statt, vier Tage später in Soest, weil das dortige Ausländeramt die Abschiebehaft angeordnet hatte. Am Freitag wurde zunächst in Paderborn und dann in Büren an den Tod des Flüchtlings erinnert.
»Mehrere Versuche, eine Genehmigung für das Aufstellen einer Gedenktafel in unmittelbarer Nähe des Abschiebeknastes zu bekommen, sind gescheitert. Deshalb haben wir die 250 Kilo schwere Skulptur als Akt des zivilen Ungehorsams ohne Genehmigung auf dem Rasen vor dem Knast aufgestellt«, berichtet Gockel. Die Skulptur symbolisiert eine Hand, die durch ein Gitter nach der Freiheit greift. Darunter ist der Name von Rachid Sbaai zu lesen. Wie lange das Mahnmal stehenbleibt, ist ungewiß. Martin Höxtermann, junge welt
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