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Rubrik: Presse  

Erneuter Suizidversuch in Abschiebehaft

33jähriger Häftling in die Psychiatrie eingeliefert

Berlin-Köpenick, 18.02.2003

Auch am Sonntag kam es in der Abschiebehaftanstalt Köpenick-Grünau wieder zu einem tragischen Vorfall: Ein 33jähriger Russe versuchte, sich tödlich zu verletzen. Bereits am Sonnabend hatten ein 31jähriger Russe und am 10.Februar ein 28jähriger Russe sich das Leben nehmen wollen.

Der Weg in die Freiheit führt – so zynisch es klingen mag – für viele Gefangene des Abschiebegefängnis Köpenick über einen Selbstmordversuch. Seit 20. Januar befinden sich mehrere Gefangene im Hungerstreik, um gegen die menschenunwürdigen Haftbedingungen und die langen Haftzeiten zu protestieren. Weder Gefängnisverwaltung noch Berlins Innensenator Ehrhart Körting sind bisher ausreichend auf die Forderungen der Hungerstreikenden eingegangen. Angekündigt wurden zwar »Verbesserungen« vor Ort: So sollen Trennscheiben entfernt und Innengitter abmontiert werden – die entsprechenden Aufträge hierfür seien erteilt, so die Gefängnisleitung. Ein Vertreterin der Antirassistischen Initiative (ARI) klagte, daß dennoch nichts geschehen sei.

Der 31jährige Russe, der am Sonnabend versucht hatte, sich zu erhängen, wurde von der Gefängnisverwaltung in Isolationshaft genommen. Dort verletzte sich der Herzkranke erneut selbst, woraufhin er ins Krankenhaus Köpenick überstellt wurde. Der 33jährige Russe, der am Sonntag einen Selbstmordversuch beging, wurde am Montag in die psychiatrische Klinik Hedwigshöhe, Köpenick, überstellt. Wie die Vertreterin der ARI erklärte, sei dies der erste Schritt in die Freiheit. Für gewöhnlich gelten jene Gefangene, die in die Psychiatrie überwiesen werden, als aus der Haft Entlassene. Der Russe, der am 10. Februar versuchte, sich zu erhängen, und tagelang beatmet wurde, ist mittlerweile wieder zu sich gekommen. Inzwischen sind von den mehr als 60 Hungerstreikenden nur noch zwei übrig.

Eine Gruppe von weiblichen Gefangenen plant ebenfalls gegen die Haftbedingungen eine Protestaktion zu starten. Ursprünglich wollte sie am gestrigen Montag in den Hungerstreik treten, zogen diesen aber gestern vorerst zurück.

Timo Berger, junge welt

04.03.2004 www.abschiebehaft.de
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