Nach artistischer Meisterleistung in die Freiheit gesprungenRendsburg, 15.10.2003 Neidlos erkennt selbst das Anstaltspersonal an: Es war eine artistische Kletterleistung. Vollbracht hat sie ein 33 Jahre alter Algerier beim Ausbruch aus der Abschiebehaftanstalt hinter dem Rendsburger Amtsgericht. Dabei galt das Anfang des Jahres als zentrale Abschiebehaftanstalt für Schleswig-Holstein in Betrieb genommene Gefängnis als ausbruchssicher. 500000 Euro hatte das Justizministerium in den Umbau der früheren Jugendarrestanstalt investiert. So sichern Rollen mit NATO-Draht die Mauerkronen.
Und diesen Draht hat der Algerier bei seiner Flucht am Montagnachmittag gegen 16 Uhr offensichtlich geschickt umgangen. Eigentlich wollte der Mann zusammen mit drei weiteren Abschiebehäftlingen auf dem Hof Fußball spielen. Den Aufsicht führenden Beamten schickten die Männer auf den Nachbarhof, weil der Ball dort liege, berichtete gestern der für Rendsburg zuständige Leiter der Kieler Justizvollzugsanstalt, Klaus Goede. Als der arglose Beamte zurückkam, seien drei Insassen wieder in ihrer Zelle und der Algerier verschwunden gewesen. Offenbar kletterte der Mann Mithilfe der Mithäftlinge im Winkel zwischen Mauer und Gebäude hoch, schlängelte sich am NATO-Draht vorbei auf die Mauerkrone und balancierte über diese Zwischenmauer zur Außenmauer. Von dort aus muss er aus rund 4,50 Metern Höhe auf den Parkplatz des Amtsgerichtes gesprungen sein. Dort hat nach gesicherten Erkenntnissen ein Pkw auf den Mann gewartet. Eine Frau, die den Sprung beobachtet hatte, schlug daraufhin an der Tür des Gefängnisses Alarm.
Es war nach Goedes Angaben die erste Flucht aus dem Abschiebegefängnis. Als Konsequenz werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, sagte Goede. Der Fußballhof soll zusätzlich gegen Fluchtversuche gesichert und bis dahin zunächst gesperrt werden. Den Gefangenen bleibt der Nebenhof, wo sie von jetzt an allerdings ständig unter Aufsicht stehen. Bisher hatte die Anstaltsleitung eine gelegentliche Aufsicht für ausreichend gehalten. Daher sei dem getäuschten Beamten voraussichtlich auch kein Vorwurf zu machen, sagte Goede. In den 43 Zellen sitzen derzeit 34 Abschiebehäftlinge ein. Der geflüchtete Algerier war seit drei Wochen in Rendsburg. Kieler Nachrichten
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