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Rubrik: Presse  

Sechs Gefangene setzen ihren Hungerstreik im Abschiebegefängnis Köpenick fort

Suizidversuch und zwei Selbstverletzungen sind Zeichen der Verzweiflung, aber auch der Entschlossenheit

Berlin, 28.01.2003

Entgegen den Informationen des Innensenators Dr. Körting befinden sich sechs Gefangene weiterhin im Hungerstreik. Sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden, werden sie zu anderen Mitteln greifen.

Der minderjährige Michail N. versuchte, sich in der Nacht zum Freitag vergangener Woche im Toilettenraum zu erhängen. Er gehörte zu den Hungerstreikenden und wurde am nächsten Tag in die Psychiatrie der Jugendabteilung des Wilhelm Griesinger Krankenhauses gebracht. Heute wurde er entlassen. Anatoli O., der sich Mittwochabend selbst verletzte, befindet sich derzeit im Haftkrankenhaus Moabit. Dota K., der sich am Samstag ebenso selbst verletzte, wurde im Krankenhaus ambulant behandelt. Danach musste er über 36 Stunden in einer Einzelzelle verbringen, bevor er auf seine Etage zurückkehren konnte.

Innensenator Dr. Körting hat zugesagt, die Haftbedingungen zu verbessern und ist zu einem Gespräch mit den Häftlingen - jedoch nur über die Haftbedingungen, nicht über die Haftdauer - bereit. Das Gespräch hat bis heute noch nicht stattgefunden, die Häftlinge warten. Bisher hat Herr Dr. Körting die folgenden Verbesserungen zugesagt:

# Ein Stockwerk für Langzeit-Häftlinge ohne Innengitter
# Entfernung der Trennscheiben in einigen Besucherzellen
# Verlängerung des Hofganges um 30 Minuten
# Eventuelle Beteiligung von Häftlingen an Reinigungsarbeiten (kleines Entgelt)
# Tischtennisplatten und Tischfußball werden möglicherweise aufgestellt

Die Häftlinge hatten allerdings das folgende gefordert:
# Sofortige Entlassung von Menschen, die aus juristischen oder tatsächlichen Gründen nicht abgeschoben werden können, aber trotzdem über 6 Monate in Haft sind
# Ein Ende der monatelangen Ungewissheit über ihre Entlassung bzw. Abschiebung
# Beendigung der menschenunwürdigen Behandlung durch PolizeibeamtInnen, ÄrztInnen und SozialarbeiterInnen
# Verbesserung der unzumutbaren hygienischen Zustände

Die anderen Häftlinge haben ihren Hungerstreik für zwei Wochen ausgesetzt, um Herrn Eggert, dem Leiter des Abschiebegefängnisses, Zeit zu lassen, die Verbesserungen zu realisieren. Weitere Aktionen sind angekündigt, wenn es zu keinen nennenswerten Verbesserungen kommt. Ein 20-jähriger hat bereits einen Durststreik angekündigt.

Weitere Informationen
Antirassistische Initiative Berlin Tel: 030 785 72 81
http://www.berlinet.de/ari
http://www.abschiebehaft.de

Antirassistische Initiative Berlin e.V.

30.01.2003 www.abschiebehaft.de
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