Es brennt in Australiens FlüchtlingslagernInsassen protestieren mit Gewalt gegen Howards Asylpolitik / Premier hält an Härte gegenüber Einwanderern festAustralien, Sydney, 02.01.2003 Die Unruhen in australischen Asylbewerber-Lagern haben weitere Camps erfasst. Protestierende Flüchtlinge legten Feuer in mehreren Lagern und verursachten Sachschäden in Millionenhöhe. Premier John Howard betonte aber, er werde wegen der Proteste seine Asylpolitik nicht ändern. Nach Angaben der Polizei kam es im Lager Villawood im Westen der Stadt Sydney am Dienstag zu einem Ausbruchsversuch von rund 30 Lagerinsassen, der aber gestoppt wurde. Gewaltbereite Asylbewerber hätten dort Brände gelegt und das Wachpersonal mit Eisenstangen angegriffen. 90 Einwanderer seien an den Ausschreitungen beteiligt und mit Eisenstangen bewaffnet gewesen.
Auf der entlegenen Christmas-Insel kam es ebenfalls zu Unruhen. Eine Sprecherin der australischen Einwanderungsbehörde sagte, dort hätten mit Eisenrohren und anderen Gegenständen bewaffnete Lagerinsassen die Wachen überrannt, einen Teil des Geländes unter ihre Kontrolle gebracht und im Speisesaal des Lagers Feuer gelegt.
Im Lager Woomera in Südaustralien, dessen Insassen durch einen Hungerstreik im Verlauf von 2002 weltweit Aufmerksamkeit erregten, kam es ebenfalls während neuer Proteste zu Brandschatzungen. Nach Angaben der Behörden wurden dort 43 Gebäude zerstört. Die protestierenden Flüchtlinge griffen dem Einwanderungsministerium zufolge die Wachen an, als diese die Feuer löschen wollten. Die Wachleute seien mit Steinen beworfen und mit Eisenstangen bedroht worden, teilte das Ministerium in einer Stellungnahme mit. Es sei ein Gesamtschaden von umgerechnet mehreren Millionen Euro entstanden, hieß es.
Vor diesen Zwischenfällen hatten bereits die Bewohner der Lager Baxter und Port Hedland Gebäude in Brand gesetzt. Die Lagerinsassen protestieren gegen ihre Lebensbedingungen - mehrere Camps liegen in der australischen Wüste - und die zum Teil Jahre lang dauernde Behandlung ihrer Anträge. Nach offiziellen Angaben dauert die Bearbeitung der Anträge im Schnitt vier Monate. Australiens Ministerpräsident John Howard erklärte, die Regierung lasse sich durch die Ausschreitungen nicht von ihrem harten Kurs gegenüber den als illegal bezeichneten Zuwanderern und Bootsflüchtlingen abbringen.
Die restriktive Asylpolitik der australischen Regierung, die von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird, war unter anderem von den Vereinten Nationen kritisiert worden. UN-Inspektoren sprachen von einer "dramatischen" Lage in den Flüchtlingszentren. Die Insassen zeigten Symptome von Depressionen.
Zuletzt waren rund 2000 Flüchtlinge in sechs Lagern interniert. Die meisten der Flüchtlinge stammen aus dem Mittleren Osten oder Zentralasien und waren mit Schiffen von Indonesien aus nach Australien gelangt.
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/international/?cnt=71915&sid=a8ca70bb9c08d259e68ff3c4d7bfcf39 Frankfurter Rundschau
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