Prozeß gegen Glasmoor-Schließer nach Mißhandlungen eines Abschiebehäftlings am 10.MaiGlasmoor, Hamburg, 29.04.2001 Am 10. Mai findet vor dem Norderstedter Amtsgericht der Prozeß gegen einen ehemaligen Schließer des Abschiebeknastes Glasmoor statt. Dem Mann wird u.a. die Mißhandlung eines Gefangenen vorgeworfen. Wir dokumentieren hier einen Aufruf antirassistischer Gruppen, den Prozeß zu besuchen. Endlich ist es mal soweit. Zum ersten Mal seit Bestehen des Abschiebeknastes Glasmoor stehen prügelnde Schließer vor Gericht.
Von den Übergriffen und Mißhandlungen der letzten Jahre kamen nur wenige an die Öffentlichkeit; zu Verurteilungen kam es bisher noch nie. Diesen Prozeß wollen wir uns nicht entgehen lassen!
Kommt zuhauf zum Amtsgericht Norderstedt, um auf dieses Ereignis aufmerksam zu machen!
Treffpunkt: Rathaus Norderstedt (nähe U-Bahn Norderstedt-Mitte)
am: Donnerstag, 10. Mai 2001
um: 9:00 Uhr
(Dokumentiert: Aufruf antirassistischer Gruppen)
Im folgenden noch ein Beitrag der "tageszeitung" vom 27. April 2000:
Der Fall liegt bei der Kieler Staatsanwaltschaft: Es wird ermittelt, und so lange werden Einzelheiten nicht verraten. Klar erscheint so viel: Am 1. März wurde der 30jährige Algerier Emene K. in der Abschiebehaft in Glasmoor von einem Bediensteten schwer verprügelt - K. erlitt einen Jochbeinbruch und mußte ins Krankenhaus. Der Hamburger Flüchtlingsrat, der gestern vor dem Untersuchungsgefängnis Holstenglacis demonstrierte, spricht davon, dies sei nicht der einzige Fall von Misshandlung in Glasmoor und hat Justizsenatorin Lore Maria Peschel-Gutzeit (SPD) in einem offenen Brief aufgefordert, sich für die Aufklärung dieser Taten einzusetzen.
Der Flüchtlingsrat nennt das Beispiel eines jungen Ghanaers, der ebenfalls zusammengeschlagen worden sei. Zu einer Bestrafung des Täters sei es nicht gekommen. Am Tag seiner geplanten Vernehmung wurde das Opfer abgeschoben. Die Justizbehörde will das nicht kommentieren. Sprecherin Birgit Geigle sagt jedoch, dass "die Staatsanwaltschaft flächendeckend und breit gestreut ermittelt", sich also offenbar nicht nur auf den Fall K. konzentriert. Den gut 20 Demonstrierenden am Holstenglacis reicht das jedoch nicht: "Die Übergriffe sind keine Ausnahme, das hat System."
Inwieweit K. mit seiner Aussage selbst zur Aufklärung des Falles beitragen kann, liegt bei den Kieler Staatsanwälten. Die entscheiden, ob er als Zeuge in einem möglichen Prozeß aussagen kann oder vorher noch nach Algerien abgeschoben wird. K´s Anwältin setzt sich derzeit für eine Verlängerung der Duldung ein - mindestens bis zu einer Verhandlung, falls es dazu kommt. Laut Flüchtlingsrat soll es noch weitere Zeugen der Tat geben. Der Bedienstete habe K. vor einer Gruppe von vier Kollegen verprügelt.
Der Täter ist seit dem Zwischenfall suspendiert. Die Hamburger Justizbehörde, so Geigle, will zunächst die Ermittlungen aus Kiel abwarten, um dann ein Disziplinarverfahren gegen den Mann zu prüfen oder einzuleiten.
Peter Ahrens
P.S.: Mittlerweile wurde aufgrund dieses und weiterer Vorfälle sowohl die halbe Wachmannschaft des Abschiebetraktes der JVA Glasmoor ausgewechselt, als auch der damalige Leiter - Gebauer - entfernt. Nach unbestätigten Meldungen soll auch Gebauer am 10. Mai als Zeuge aussagen müssen. Info Archiv Norderstedt
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