Die Arbeit der Kooperative Flüchtlingssolidarität HannoverGrenzen auf für alleHannover, 28.06.2001 Die Abschottung der Bundesrepublik nach außen, die zunehmenden Grenzkontrollen, Drittstaatenregelung und sichere Herkunftsländer ermöglichen es immer weniger Flüchtlingen, in die BRD einzureisen. Flüchtlinge, die die Grenzen dennoch überwinden können, sind bald wieder von Abschiebung bedroht. Um nicht in den Staat zurückgeschoben zu werden, in dem den Flüchtlingen Verfolgung und Folter droht, werden viele dazu gezwungen versteckt als Illegalisierte in der BRD zu leben. Illegalisierung kann mensch deshalb nur mit der Forderung nach offenen Grenzen und der freien Wahl des Lebens- und Wohnorts begegnen.
Unser Gruppe hat sich deshalb das Ziel gesteckt, den Illegalisierten Hilfe bei der Suche nach Alternativen zu bieten und gegen den rassistischen Staat und der rassistischen Mehrheitsgesellschaft anzugehen. Ärztliche Versorgung
Der Kontakt zu Ärzten, Augenärzten und Zahnärzten gestaltete sich völlig problemlos. Unser Aufruf Illegalisierte zu unterstützen stieß auf breite Resonanz, kaum eine Ärztin oder ein Arzt hatte Probleme mit unserem Anliegen. Den bundesweiten Beschlüssen folgend beschloss auch die niedersächsische Ärztekammer eine ärztliche Unterstützung Illegalisierter. Später hat sich aus unserer Gruppe heraus die Gruppe Medizinische Flüchtlingssolidarität gegründet, die die Arbeit heute organisiert.
Wohnraumbeschaffung
Schwierig gestaltet sich die Anmietung von Wohnraum. Hier hat sich gezeigt, daß ein Aufruf Zimmer oder Wohnungen bereitzustellen, nur wenig Gehör findet. Die Suche nach Zimmern in Wohngemeinschaften hängt stark von den zu vermittelnden Personen ab und kann bei Szene-WG's sogar zur Gefährdung der Person führen. Deshalb ist die Anmietung einer Wohnung für eine längerfristige Unterbringung unabdingbar. Diese Wohnung kann für kurzfristige Hilfe genutzt werden und schafft für eine Person oder Familie eine kurze Verschnaufpause.
Arbeitsuche
Die Suche nach bezahlter Arbeit und damit die Organisation einer gewissen
Unabhängigkeit von der Unterstützungsgruppe ist für Illegalisierten sehr schwer. Ohne Arbeitspapiere und die Angst potentieller Arbeitgeber in Razzien der Arbeitsämter zu kommen, läßt eine Arbeitsuche fast aussichtslos erscheinen. Hinzu kommt noch die Erpreßbarkeit der Illegalisierten, denn ohne Papiere müssen sie z.T. für einen Hungerlohn und über 12 Stunden arbeiten. Ein Ausweg aus dieser Situation zu finden ist uns nur in Ausnahmefällen gelungen.
Ziel bleibt die Legalisierung
Ziel jeder Unterstützungsarbeit muß es deshalb sein, den statuslosen Zustand der Illegalisierten wieder in einen gesicherten Aufenthalt umzuwandeln. Gibt es Erfolgsaussichten für einen Folgeantrag oder kommt ein Kirchenasyl für die Person in Betracht? Falls alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, müssen Überlegungen in andere Richtungen angestellt werden. Bestehen reale Erfolgsaussichten auf eine legale Weiterwanderung in ein anderes Land, oder müssen Aktivitäten zur Paßbeschaffung ergriffen, oder ein illegaler Grenzübertritt vorbereitet werden? Das Leben als Statusloser, von Verhaftung und Abschiebung bedroht, kann in den meisten Fällen nur als vorübergehende Ausnahmesituation gesehen werden. Die psychischen und physischen Auswirkungen eines Lebens im Verborgenen sind auf Dauer eine große Belastung.
Der Spagat zwischen politischen Anspruch und Sozialarbeit
Der Anspruch die politischen Vorgaben dieses Systems nicht zu akzeptieren und die Asylpolitik der BRD zu sabotieren, steht oftmals im Widerspruch zu unserer Arbeit. Der tägliche Kleinkrieg mit Behörden, Gerichten, der Lebenssicherung der zu Unterstützenden und ihre privaten Probleme und Sorgen binden einen Großteil unserer Energie. Zum Teil übernehmen wir die Aufgaben staatlicher Flüchtlingssozialarbeit, so daß der Raum für politische Arbeit unverhältnismäßig eingeschränkt wird. Deshalb binden wir uns in Kampagnen wie z.B. "Kein Mensch ist illegal" ein, um nicht nur zu reagieren, sondern auch zu agieren und mit Aktionen gegen Abschiebungen und rassistische Übergriffe von Rechts und aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft vorzugehen.
Schwerpunkt Abschiebeknast Hannover/Langenhagen
Zur Zeit legen wir unseren Schwerpunkt auf den neu eingerichteten landesweiten Abschiebeknast in Hannover/Langenhagen. Als Abschiebeknast für Niedersachsen mit Flughafenanbindung kommt ihm eine zentrale Bedeutung im niedersächsischen Abschiebesystem zu. Mit kleineren Aktionen gegen die Einrichtungen und Institutionen der Abschiebemaschinerie, wollen wir auf das System Abschiebung aufmerksam machen und Handlungsfelder für einen Eingriff in das System aufzeigen. Ausländerbehörden, Landesparlamente, Polizei, Bundesgrenzschutz, Flughäfen und Fluggesellschaften sind unsere Ziele. Am Ende der Kampagne soll eine große Demonstration am Abschiebeknast stattfinden. In diesem Rahmen wollen wir uns auch in die bundesweiten Vernetzungsstrukturen einbringen.
Kooperative Flüchtlingssolidarität Hannover
Zur Bettfedernfabrik 3
30451 Hannover
Tel.: 0511 - 45 72 69 (AB)
Kooperative Flüchtlingssolidarität Hannover
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